Die Insel Usedom

Die Insel Usedom liegt im äußersten Osten Deutschlands und zugleich im Westen Polens. Denn ein kleiner Teil davon gehört zu unserem Nachbarland.

Usedom hat eine bizarre Form, die sich von Nordwesten nach Südosten erstreckt. Die Küste zur Ostsee hin ist wie ein lang gezogener Strich, an dem weltberühmte und weniger bekannte Seebäder wie aufgereiht liegen. Im Norden gibt es eine nur sehr schmale Wasserstraße zum Festland bei Wolgast, wobei die Insel Usedom an dieser Stelle noch zwei Landzungen aufweist. Das südliche Ende der Insel sieht sehr ausgefranst aus: Von Swinemünde aus verläuft die Insel nahezu waagerecht bis hinter die Stadt Usedom, wobei sie in Richtung Norden sehr zerklüftet aussieht. Landzungen, Buchten und Seen prägen das Bild des sogenannten Achterlandes. In der Mitte liegt das Achterwasser.

Die historische Entwicklung der Insel Usedom


Usedom entstand vor etwa 15.000 Jahren. Aus geologischer Sicht ist die Insel ein Endmoränenbogen, der sich zum Ende der Weichseleiszeit gebildet hat. Noch heute gibt es teilweise riesige Findlinge – Überreste dieser frühen Epoche. Besonders viele und sehr beachtliche Exemplare liegen im Gesteinsgarten bei Neu Pudagla.

Seit dem 10. Jahrhundert lebten Slawen auf Usedom, insbesondere in der gleichnamigen Stadt des Achterlandes. Sie wurden im Jahr 1128 auf Anordnung des ersten Pommernherzogs Wartislaw I. christianisiert. Daran erinnert noch heute ein großes Kreuz auf dem Schlossberg. Mit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs fiel die Insel Usedom an die Schweden. Aber erst die Preußen, die es nach dem Nordischen Krieg erhielten, sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung. Sie richteten eine verbesserte Infrastruktur ein und gründeten neue Siedlungen speziell an der Küste.

Dass daraus nach und nach die ersten Seebäder entstehen konnten, hatte unterschiedliche Gründe. Ein wesentlicher Aspekt mag der allgemeine Trend gewesen sein, der schon Jahrzehnte zuvor vornehme Bürger und Adelige in bestimmte Kurorte vorzugsweise im Gebirge gezogen hatte. Im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannte man zudem die bekömmliche Wirkung des Meeres. Hinzu kam, dass sich Angehörige des preußischen Königs- und späteren Kaiserhauses selbst vielfach an der Ostseeküste Usedoms aufhielten – Friedrich Wilhelm IV. hat sogar in seiner Zeit als Kronprinz dem heute weltberühmten Ostseebad Heringsdorf den Namen gegeben. Und diese Ortschaft ist demzufolge auch das erste Bad im deutschen Bereich der Insel Usedom. Swinemünde war es ein Jahr früher. Bereits 1825 wagten sich die ersten Sommerfrischler in die Ostsee, damals noch mithilfe der inzwischen legendären Badekarren.

Ab etwa 1880 zogen die anderen heute sehr beliebten Seebader Usedoms nach und begründeten selbst auch den Fremdenverkehr. Während der beiden Weltkriege kamen zwar keine Sommerfrischler, aber danach erkannte die DDR-Regierung die Vorzüge dieser herrlichen Landschaft und nutzte sie für ihre Zwecke. Organisierte Ferienreisen für besonders Regimetreue waren die Foge, nachdem die Obrigkeit 1953 in einem schmeichelhaft als Aktion Rose bezeichneten Streich alle Hotelbesitzer enteignet hatte.

Erst nach der Wende fand die Insel Usedom zu alten Glanzzeiten zurück. Liebevolle Sanierungen der teilweise verfallenen Bausubstanz und eine allgemeine Anhebung des Standards der Restaurants und der Beherbergungsbetriebe führten dazu, dass die jetzigen Urlauber in eine neue und dennoch alte Infrastruktur eintauchen können.

Die Kaiserbäder auf Usedom


Wegen der Präsenz auch der deutschen Kaiser auf Usedom erhielten Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck im Osten der Insel diese feine Bezeichnung. Sie gelten aus gutem Grund als Aushängeschild und sind inzwischen weltbekannt. Eine besondere Attraktion stellt Heringsdorf selbst dar, mit etwa 4.000 Einwohnern auch einer der größten Orte im deutschen Teil von Usedom. Die Seebrücke, einst als Anlegestelle für die Passagierdampfer geplant, ist heute ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Mit einer Länge von stolzen 508 Metern ist dieses Usedomer Bauwerk das größte seiner Art in ganz Europa.

Etwas bescheidener, dafür aber mit einem grandiosen Aufbau für die Restauration versehen ist die Seebrücke von Ahlbeck auf Usedom. Und die im Seebad Bansin verfügt zwar über keinerlei Gebäude und stammt auch erst aus dem Jahr 1994. Aber dennoch ist sie ebenfalls ein wahrer Publikumsmagnet.

Speziell in den drei Usedomer Kaiserbädern hat sich die Bäderarchitektur bestens erhalten. Dieser verschnörkelte und reich verzierte Baustil, in dem sich die Urlauber um die Wende zum 20. Jahrhundert ihre Residenzen in den bevorzugten Ferienorten errichten ließen, verleiht speziell den Kaiserbädern ein ganz eigenes Flair und lässt vergangene mondäne Zeiten wieder aufleben.

Die Bernsteinbäder auf Usedom


An dem schmalen Landstrich etwa in der Mitte von Usedom liegen die vier Bernsteinbäder Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz. Hier geht es weitaus beschaulicher zu als in den eleganten Kaiserbädern. Wer hier seine Ferien verbringt, findet viel Traditionelles, wie etwa die ehemaligen Salzhütten, in denen einst das Salz zur Konservierung der Fische gelagert war. Überhaupt spielt der Fischfang auch heute noch eine recht bedeutende Rolle – parallel zum Fremdenverkehr, versteht sich. Und viele reetgedeckte Häuser verzaubern die Besucher. Die Heimatmuseen geben Aufschluss über das harte Leben der Fischer und über die allgemeine Entwicklung der Ortschaften.

Die herrlichen Strände sind im Bereich der Usedomer Bernsteinbäder besonders abwechslungsreich, denn neben den weiten Sandflächen gibt es auch regelrechte Steilküsten. Bei Loddin ist ein Hochuferwanderweg eingerichtet, der einen herrlichen Blick auf das Achterwasser freigibt. Überhaupt spielt die Natur in diesem Bereich der Insel Usedom eine große Rolle: Es gibt Naturlehrpfade, und die Süßwasserseen wie etwa der Wockninsee bei Ückeritz sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

Die kurze Entfernung zum Achterwasser bietet den Urlaubern vielfältige Möglichkeiten. Hier gibt es Schulen mit Wassersportangeboten und insgesamt bestens ausgeschilderte Rad- und Wanderwege.

Dennoch findet man auch in den Bernsteinbädern Kulturelles: Die frühgotische Kirche von Koserow mit dem geschnitzten Flügelaltar und dem Veranstaltungsreihe Klassik am Meer ist weit über Usedoms Grenzen hinaus bekannt.

Die Inselbäder auf Usedom


Im Nordwesten von Usedom liegen die drei Inselbäder Karlshagen,Trassenheide und Zinnowitz. Sie zeichnen sich durch eine ganz besondere Familienfreundlichkeit aus. Das bezieht sich sowohl auf die Unterkünfte für die Gäste als auch auf das Angebot. Denn neben den wunderbaren Naturlandschaften bieten die drei Inselbäder ungewöhnlich viele Attraktionen, die vor allem die Kids begeistern, die aber auch die Erwachsenen in Erstaunen versetzen.

Trassenheide wartet gleich mit mehreren auf. Da sind etwa die beachtliche Schmetterlingsfarm und das spannende Dschungelzelt. Und das im wahrsten Sinn verrückte Haus, das kopfüber steht.

In Zinnowitz dagegen erlebt man vom sicheren Terrain einer Tauchgondel aus die faszinierende Unterwasserwelt, während man in der imposanten Bernsteintherme direkt hineintauchen kann.

Das Naturschutzzentrum Usedom in Karlshagen dagegen widmet sich hauptsächlich den Tieren und Pflanzen der Insel, aber auch Techniken der erneuerbaren Energien nehmen einen breiten Raum ein.

Peenemünde auf Usedom


Das kleine Dorf Peenemünde im Norden der Insel Usedom ist in erster Linie durch die Raketenversuche des Wernher von Braun während der NS-Zeit gekannt geworden. Folgerichtig beschäftigt sich das riesige Historisch-Technische Museum mit der Raumfahrt- und Raketengeschichte. Das beachtliche Kraftwerk der ehemaligen Heeresversuchsanstalt ist ebenso zu besichtigen wie die sogenannte Denkmallandschaft, die den Besucher auf einem langen Rundweg an alle interessanten Orte führt.

Technik ganz anderer Art gibt es im Phänomania zu sehen und hautnah zu erleben. Bei diesem Peenemünder Museum auf Usedom handelt sich um einen Komplex, der einzelne Sparten der Physik anschaulich darstellt und die Besucher zu eigenen Experimenten anregt.

Das Usedomer Achterland


Das Achterland von Usedom nimmt einen flächenmäßig sehr großen Raum der Insel ein. Es erstreckt sich hinter den drei Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Die Gäste in diesen Ortschaften nutzen die Nähe zu dieser attraktiven Landschaft ebenso wie die der weiter entfernter Bäder; denn die wunderschöne Landschaft bietet reichlich Möglichkeiten zur Erholung. Zudem sind die ausnahmslos eher kleinen Orte im Usedomer Achterland eine überraschend üppige Fundgrube für Kulturfreunde.

Die Stadt Usedom, die der ganzen Insel ihren Namen gegeben hat, liegt im Süden des Achterlandes. Hier ist ein Rest von großer technischer Baukunst erhalten: Die Hubbrücke von Karnin, größtenteils von den Deutschen im Jahr 1945 gesprengt, konnte mit ihrem anzuhebenden Teil der zerstörerischen Maßnahme widerstehen. Eine übersichtliche Schauanlage dieses Bauwerks findet sich auch im Dargener Technik- und Zweiradmuseum. Diese spannende Einrichtung ist allerdings in erster Linie für Freunde der Mopeds und Motorräder aus der ehemaligen DDR und überhaupt aus dem Ostblock interessant. Denn die sehr gut erhaltenen Stücke gewähren einen wunderbaren Einblick das damalige Leben.

Noch viel älter und auf eine völlig andere Bevölkerungsschicht zugeschnitten präsentieren sich die Schlösser in Stolpe und Mellenthin. Das von Stolpe an der Südküste des Usedomer Achterlandes ist ein Bauwerk der Hochrenaissance aus dem 16. Jahrhundert mit Elementen aus dem frühen 20.Jahrhundert, die dem Historismus verschrieben sind. Das Schloss von Mellenthin dagegen stammt zwar ebenfalls aus dieser frühen Epoche, ist aber weitaus üppiger dekoriert. Zudem handelt es sich bei diesem Bau um das einzige Wasserschloss auf Usedom. Und das Schloss in Pudagla, ebenfalls aus der Renaissance, ist insofern interessant, als es ein überraschend schlichtes Gebäude darstellt. Vielleicht deshalb, weil es lediglich als Witwensitz für die Mutter von Pommernherzog Ernst Ludwig konzipiert war? Heute dient es als Restaurant.

Pudagla im Usedomer Achterland ist indessen wegen ganz anders gearteter Attraktionen bekannt. Die bestens restaurierte, historische Bockwindmühle etwa, die sogar an einigen Tagen in Betrieb ist, und das Waldkabinett des ehemaligen Forsthauses in Pudagla begeistern die Zuschauer. Denn hier gibt es ein Insektenhaus, zahllose Fledermäuse und Informationen zu Flora und Fauna der Usedomer Wälder zu bewundern.

Swinemünde (Swinoujscie) auf Usedom


Im polnischen Teil von Usedom ist vor allem die 40.000 Einwohner zählende Stadt Swinemünde (Swinoujscie) interessant. Das gesamte Gebiet verteilt sich auf 44 Inseln, wobei der Teil auf Usedom das Kurviertel beherbergt. Der herrliche Kurpark aus dem 19. Jahrhundert, der wunderschöne Strand und die vielen gastronomischen Einrichtungen locken seit dem Beginn des Bädertourismus im Jahr 1824 unzählige Urlauber in die schöne Stadt am Meer. Waren es noch in den 1930er Jahren vorwiegend Angehörige der feinen Gesellschaft, fühlen sich inzwischen alle Urlauber dort sehr wohl.

Das ehemalige Rathaus von Swinemünde (Swinoujscie) auf Usedom entstand 1806. Der meist schlichte Bau mit einem ungewohnt zierlichen Turm und einer beachtlichen Uhr beherbergt heute das Museum für Hochseefischerei.