Die Bernsteinbäder auf Usedom

An der schmalsten Stelle, also in der Mitte der Ostseeinsel Usedom, reihen sich die vier Bernsteinbäder hintereinander: Zempin, Koserow, Loddin und Ückeritz. Erst im Jahr 2006 schlossen sie sich zu einer Art Werbegemeinschaft zusammen, die unter dem verlockenden Namen Bernsteinbäder firmiert – vielleicht um den nahegelegenen drei Kaiserbädern Paroli bieten zu können.

Dabei sprechen diese vier kleinen Ortschaften eine vollkommen andere Art von Urlaubern an. Denn hier sucht man die mondäne Eleganz der Kaiserbäder vergeblich. Dafür gibt es beschauliche Dörfer mit – wie überall auf Usedom – herrlichen Sandstränden. Aber letztlich haben sie sich den alten Charme der ehemaligen Fischerdörfer erhalten. Und der Fischfang spielt sogar immer noch eine große Rolle. Die Urlauber können fangfrischen Hering, Barsch und Zander sowie andere Köstlichkeiten genießen, entweder geräuchert oder in einem der stilvollen Restaurants delikat zubereitet.

Von der Tradition der Fischer zeugen noch die Salzhütten, die es in den Usedomer Bernsteinbädern zu sehen gibt. Dabei handelt es sich um kleine, meist im Fachwerkstil erbaute Häuschen, in denen früher das Salz zur Konservierung der Meeresfrüchte gelagert war. In den Zeiten der heutigen Kühlmöglichkeiten haben sie ihren eigentlichen Zweck verloren, bestehen aber weiterhin und dienen jetzt der Lagerung verschiedener Ausrüstungsgegenstände der Fischer. Im Inneren ist ein ganz eigentümliches, faszinierendes Flair deutlich spürbar.

Überhaupt suchen (und finden) die Besucher der vier Usedomer Bernsteinbäder hier viel Altes, Traditionelles. Und vor allem ganz viel Natur. Denn die kurze Entfernung zum Achterwasser ermöglicht zahlreiche unterschiedliche Aktivitäten in herrlicher, unverfälschter Umgebung. Das Achterwasser ist eine seeartige Ausbuchtung vor der Peenemündung. Obwohl es dadurch auch einen direkten, allerdings sehr schmalen Zugang zum Meer hat, handelt es sich letztlich um einen großen Süßwassersee mit einer Tiefe von nur zwei bis drei Metern. Es gibt viele Buchten, Landzungen und Halbinseln. Seine Ufer sind teilweise mit Schilf bewachsen, was viele Vögel anlockt. Zudem sind ausgezeichnete Wassersportmöglichkeiten vorhanden – ideal besonders für Anfänger, denen der doch häufig starke Wellengang der Ostsee zu schwierig ist.

Das Seebad Zempin auf Usedom


Mit weniger als 1.000 Einwohnern ist Zempin das kleinste der Usedomer Seebäder und hat sich viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Etliche Reetdachhäuser sind über das Dorf verteilt und versprühen den eigenwilligen Charme vergangener Zeiten. Den offiziellen Status eines Seebades erhielt Zempin erst im 3. Jahrtausend, war allerdings bereits 1908 dem Deutschen Bäderverbund beigetreten.

Zempin liegt an der schmalsten Stelle zwischen Ostsee und Achterwasser, die hier lediglich 320 Meter misst. Im Februar 1874 konnten die Dämme dort einer besonders schweren Sturmflut nicht standhalten, woraufhin Usedom im zwei Teile auseinanderbrach. Die Bewohner von Zempin und dem benachbarten Koserow arbeiteten unermüdlich und konnten die Lücke letztlich schließen.

Heute ist es gerade die Nähe des offenen Meeres mit dem herrlichen Sandstrand und des Achterwassers, die den Ort so attraktiv macht. Denn die Urlauber können ganz nach Wunsch die unterschiedlichen Landschaften genießen.

Sehenswertes in Zempin auf Usedom


Auf halbem Weg zwischen Strand und Achterwasser, und zwar in dem winzigen Lüttenort, liegt die ehemalige Wirkungsstätte des Malers Otto Niemeyer-Holstein. Er war 1930 mit seinem Lütte (daher der Name des Anwesens) genannten Segelboot bei Zempin angekommen und hat sich sofort in die herrliche Landschaft verliebt. Zunächst lebte er mit seiner kleinenFamilie in einem umgebauten Eisenbahnwaggon, dem er später einige Gebäude zufügte, und wo er außerdem einen herrlichen Garten mit interessanten Skulpturen anlegte. Sein Atelier ist noch genauso erhalten, wie der Künstler es seinerzeit verlassen hat.

Ein in vieler Hinsicht spannendes Gebäude ist das ehemalige Schulhaus in Zempin. Der eigentliche Betrieb dauerte nur bis 2000 an. Heute ist es das Heimat-Vereinshaus, in dem 30 Schiffsmodelle stehen und ein schön rekonstruierter Kolonialwarenladen mit Möbeln aus dem Jahr 1928 zu sehen ist.

Der malerische Anglerhafen am Achterwasser begeistert aller Besucher des Seebades Zempin auf Usedom. Hier kann man den Fischern bei der Arbeit zusehen. Außerdem steht hier eine etwa 350 Jahre alte Eiche mit dem stolzen Umfang von fast fünf Metern.

Sehr spannend ist der Orts- und Naturlehrpfad von Zempin. Auf einer Länge von neun Kilometern führt er an besonders schönen, wichtigen und charakteristischen Punkten der Ortschaft vorbei. Auffallend sind die Informationstafeln. Sie sind mit Texten, Bildern und Fotos gestaltet, die Usedomer und speziell Zempiner Bürger beigesteuert haben.

Das Seebad Koserow auf Usedom


Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt Koserow als die ärmste Gemeinde auf Usedom. Die Menschen lebten mehr schlecht als recht vom Fischfang, der im heutigen Seebad immer noch einen gewissen Raum einnimmt. Die Wende geschah im Jahr 1853, als man die erste Seebadeanstalt Usedoms in Koserow eröffnete. Zunächst natürlich streng nach Damen und Herren getrennt, später folgte dann ein Familienbad. Es sollte aber bis zum Jahr 1993 dauern, bis sich Koserow mit dem Titel eines staatlich anerkannten Seebades schmücken durfte.

Die Landschaft in und um Koserow ist beeindruckend. Denn der Ort zieht sich am Fuß des immerhin 60 Meter hohen Streckelsbergs, der zweithöchsten Erhebung Usedoms, hin. Von oben hat man eine grandiose Sicht auf weite Teile Usedoms und sogar Rügens. Das gesamte Terrain ist inzwischen als Naturschutzgebiet ausgewiesen – im Frühjahr blüht ein wahres Meer von wild wachsenden Orchideen.

Sehenswürdigkeiten in Koserow auf Usedom


Mit gleich zwei Baudenkmälern kann die kleine Gemeinde Koserow an der Usedomer Ostseeküste aufwarten: Es gibt eine moderne Seebrücke und eine uralte Kirche.

Die Seebrücke von Koserow stammt erst von 1993 und ist ein schlichtes Bauwerk ohne weitere Aufbauten. Aber immerhin hat sie eine Länge von 261 Metern und ist zweieinhalb Meter breit. Gemütliches Flanieren wie in alten Zeiten ist also gewährleistet. Am Brückenkopf legen Ausflugsschiffe an und ab. Um 1930 hatten die Koserower Gemeindeväter bereits einen Seesteg gebaut, der aber während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Bekanntlich hatte die DDR-Führung kein Interesse an einem Neubau. Daher mussten Urlauber und Einwohner bis zur Zeit nach der Wende warten, bis sie wieder in dieser Hinsicht mit anderen Usedomer Seebädern mithalten konnten.

Ein wahres Kleinod ist die Kirche von Koserow. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist damit das älteste Gotteshaus an Usedoms Küste. Der frühgotische Bau ist die Erweiterung eines Vorgängers – davon sind noch die gemauerten Wände der Chorseite, die kleinen Fenster dort und der dreistufige Spitzbogen des ursprünglichen Portals zu sehen.

Im 15. Jahrhundert fanden großzügig angelegte Erweiterungen statt. Außen fügten die Bauherren den Westturm aus Backsteinen an. Im Inneren beeindruckt insbesondere der geschnitzte Flügelaltar mit Christus am Kreuz und außen Maria und Johannes. Daneben fasziniert ein riesiges Holzkreuz aus dem 15. Jahrhundert. Es stammt ursprünglich aus Schweden, war aber wohl bei einem Schiffsunglück im Meer versunken. Fischer fanden es und überließen es der Kirche. Die meiste Zeit gab es in der Koserower Kirche eine glatte Holzbalkendecke, die man aber Ende des 19. Jahrhunderts durch eine gewölbte ersetzte. Sie verleiht dem Usedomer Gotteshaus ein lichtes Aussehen.

Eine Besonderheit in dieser Usedomer Kirche ist die Veranstaltungsreihe Klassik am Meer. In jedem Sommer wird das Gotteshaus zu einer Theaterbühne, auf der Werke der Klassiker Goethe und Schiller, aber auch Stücke von Brecht oder Dürrenmatt zur Aufführung gelangen. Diese einzigartige Verbindung von Theater und Kirche und die insgesamt großartige Atmosphäre sind auch über die Grenzen Usedoms hinaus bekannt.

Das Seebad Loddin auf Usedom 


Genauso wie die übrigen vier Usedomer Bernsteinbäder liegt auch die kleine Ortschaft Loddin mit ihren gut 1.000 Einwohnern auf der schmalen Landstelle zwischen Ostsee und Achterwasser. Loddin unterscheidet sich aber insoweit von seinen Geschwistern, als das Dorf aus mehreren Ortsteilen besteht, die sich über das ganze, allerdings sehr kleine Gebiet erstrecken. Das ursprüngliche Loddin, in dem schon seit dem 14. Jahrhundert Fischer leben, am Achterwasser, dazu Kölpinsee, das sich Ende des 19. Jahrhunderts um ein neu errichtetes Hotel gruppierte, und schließlich Stubbenfelde, das heute vor allem bekannt ist wegen seines modernen und sehr gut ausgestatteten Zeltplatzes.

Der Name Loddin stammt aus dem Polnischen und bedeutet Dorf an der Lachsbucht. Dieser Hinweis trifft auch heute noch zu; denn zumindest das Achterwasser ist ein wahres Eldorado für Angler.

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz Usedoms war auch für die Entwicklung von Loddin sehr bedeutsam. Denn dadurch war es weitaus weniger strapaziös, den kleinen Ort zu besuchen. So kam es, dass in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts viele berühmte Filmstars Loddin für sich entdeckten, was naturgemäß viele weitere Feriengäste anlockte.

Nach der Wende und großzügigen Renovierungen etablierten sich verschiedene Kurkliniken in Loddin auf Usedom. Dort werden vor allem Atemwegs- und Hautkrankheiten behandelt.

Sehenswertes in und um Loddin auf Usedom


Wer seine Ferien in Loddin auf Usedom verbringt, tut das in erster Linie der Ruhe inmitten herrlicher Natur wegen. Loddin verfügt über wunderhübsche Katen mit Reetdächern, die dem Dorf den Charakter des Urig-Ursprünglichen verleihen.

Der Kölpinsee auf Usedom stand Pate für die Bezeichnung dieses Ortsteils von Loddin. Das Gewässer direkt hinter einer Düne ist wegen seines Reichtums an Süßwasserfischen ein Paradies für Angler. Aber auch in den Restaurants des Ortes stehen Fischgerichte ganz oben auf der Speisekarte.

In diesem Ortsteil, und zwar im alten Bahnhofsgebäude, befindet sich das Museum Heimatstube. Es zeichnet die historische Entwicklung von Loddin auf Usedom mit seinen Ortsteilen nach. Das ist in erster Linie das harte Leben der Fischer, das mit verschiedenen Arbeitsgeräten anschaulich präsentiert wird. Zudem gibt es eine Wohnstube und eine Küche aus der Zeit um 1900, gemütlich zwar, aber für heutige Wohn- und Lebensverhältnisse unvorstellbar. Auch die attraktive Bernsteinsammlung sollten sich die Besucher ansehen. Vielleicht inspiriert sie die Urlauber dazu, bei einemStrandspaziergang die Augen offen zu halten, um auch selbst ein solches Stück zu finden.

In Loddin auf Usedom ist es insbesondere die herrliche Natur, die beruhigend und zugleich faszinierend auf die Menschen wirkt. Da ist zunächst der Teufelsberg, mit einer Höhe von 40 Metern für Usedom schon eine stattliche Erhebung. Das dort befindliche Steilufer lässt sich vom Strand aus über eine Treppe bequem erreichen. Oben bietet sich eine grandiose Aussicht auf weite Teile der Insel Usedom und auf die Ostsee.

Ähnlich schön gestaltet sich der Hochuferwanderweg, allerdings gibt er den Blick frei auf das malerische Achterwasser. Das Loddiner Höft ist eine Halbinsel, die sich auf einem Rundweg erkunden lässt. Nicht umsonst ist hier ein Naturschutzgebiet ausgewiesen, das nicht nur Tier- und Pflanzenfreunde begeistert. Sondern vom Hochuferwanderweg aus kann man auch die Halbinsel Lieper Winkel sehen, ein Gebiet mit zauberhaft malerischen Dörfern, in denen sich auch heute noch hauptsächlich Individualtouristen aufhalten. Sie suchen und finden hier Natur pur und können sich vom Alltagsstress erholen.

Genuss ganz anderer Art verspricht das Erzeugnis eines Weinbergs, der eine Sensation für Usedom darstellt und überhaupt der nördlichste Deutschlands ist. Die Beeren der insgesamt 99 Weinstöcke werden zwar nicht auf Usedom verarbeitet, aber das Ergebnis, das Loddiner Abendrot, ist dort zu genießen.

Das Seebad Ückeritz auf Usedom


Das Seebad Ückeritz ist nicht nur das östlichste der vier Usedomer Bernsteinbäder, sondern auch das waldreichste. Zugleich beeindruckt es mit einer großartigen Strandlandschaft, in der sich flache Stellen mit Steilküstenabschnitten abwechseln. Da findet jeder den geeignete Platz.

Derzeit hat das Seebad Ückeritz gut 1.000 Einwohner. Vom winzigen Flecken am Achterwasser mit nur wenigen Fischern und Bauern wuchs die Ortschaft beständig, seit die Insel Usedom 1720 unter preußische Regierung geraten war. Dennoch sollte es bis 1892 dauern, bis sich Ückeritz als Seebad etablierte. Selbst heute noch sind die Touristenzahlen eher niedrig im Vergleich zu denen der Kaiserbäder etwa. Aber dafür finden die Badegäste hier die ersehnte Ruhe und eine wunderbar unverfälschte Natur. Zudem lässt der historische Ortskern am Achterwasser mit malerischen Fischerkaten die Vergangenheit wieder aufleben.

Sehenswertes im Seebad Ückeritz auf Usedom


Das Seebad Ückeritz auf Usedom beeindruckt hauptsächlich mit großartigen Naturlandschaften. Das Terrain rund um den Wockninsee ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der See selbst hat sich allmählich durch eine Nehrung gebildet, die dieses Gebiet von der Ostsee abtrennte. Ursprünglich muss er eine Größe von 50 Hektar gehabt haben, aber mit der Zeit verlandete er mehr und mehr. Inzwischen gibt es an den Ufern stellenweise einen dichten Schilfbewuchs, der auch das Gewässer in zwei Teile trennt. Beide zusammen haben lediglich noch eine Fläche von gut sieben Hektar. Gerade diese torfigen Gebiete sind es aber, die eine sehr seltene und zugleich üppige Flora und Fauna ermöglichen. Denn in der Moorvegetation gedeihen etwa Sumpfveilchen und Sonnentau. Auch die angrenzenden Wälder zeigen teilweise einen seltenen Bestand: Moorbirken und Faulbäume finden sich in den hauptsächlich von Schwarzerlen und uralten Eichen bestandenen Flächen. Dass diese auch für verschiedene Tiere paradiesisch sind, liegt auf der Hand. So gibt es im Naturschutzgebiet Wöckninsee auf Usedom Ringelnattern und sogar Sumpfschildkröten.

Es ist über einen informativen Naturlehrpfad zu erkunden. Die Seeufer sind zwar nicht erreichbar, aber von einer Art Kanzel aus lässt sich die Pracht besichtigen.

Trotz der geradezu überwältigenden Natur: Das Seebad Ückeritz verdiente seinen Namen kaum, böte es nicht auch eher alltägliche Aktivitäten. Wie in allen Seebädern und speziell denen auf Usedom lockt der herrliche und abwechslungsreiche Ostseestrand regelmäßig die meisten Urlauber an. Hier liegen im Wechsel feinsandige Buchten und Abschnitte mit Steilküste. Auch FKK-Anhängern und sogar Hundefreunden ist jeweils ein eigener Abschnitt zugewiesen. Aber der Bereich am Achterwasser ist ebenfalls sehenswert. In der Nähe des hübschen Jachthafens bietet eine große Wassersportschule Anfängern qualifizierten Unterricht und Fortgeschrittenen das erforderliche Equipment.

Das Bernsteinbad Ückeritz auf Usedom ist zwar hauptsächlich eine Ortschaft der Fischer. Aber mit den ersten Sommerfrischlern entstanden im Dorf auch herrliche Villen, die heute einen spannenden Kontrast zu den hübschen Fischerkaten mit Reetdächern bilden. Und in den 1930er Jahren entstand eine Künstlerkolonie, in bescheidenem Ausmaß zwar, aber deren Geist ist noch heute spürbar.