Peenemünde auf Usedom

Peenemünde liegt auf der dem Festland zugewandten Seite im Norden von Usedom. Die kleine Gemeinde hat weniger als 500 Einwohner und ist als Ortschaft nicht allzu sehenswert. Zu viele Bauten aus der nicht wirklich ruhmreichen Vergangenheit sind mittlerweile dem Verfall preisgegeben, und auch die Wohnhäuser sind großenteils wenig attraktiv.

Dennoch: Ein Besuch in diesem Dorf auf Usedom ist unbedingt lohnend. Es gibt eine überraschend große Zahl an Museen, die sich zwar großenteils mit der Militär- und Raketengeschichte beschäftigen, aber auch Exponate zu ganz alltäglichen Dingen wie den Betten oder dem Spielzeug zeigen. Zudem verfügt Peenemünde über einen schönen Strand, der über einen hübschen Weg durch den Wald zu erreichen ist, und an dem sich nur selten übermäßig viele Besucher tummeln.

Peenemünde auf Usedom verdankt seine Bekanntheit in erster Linie den Raketenversuchen des Wernher von Braun, der mit seinem Team aus Forschern und Wissenschaftlern dort während der Nazizeit die ultimative Waffe zur Unterwerfung der gesamten Welt entwickeln sollte. Bekanntlich blieben seine Entwicklungen zumindest für diesen Zweck erfolglos, aber mit dem Bau der bekannten A4 (auch V2 genannt) legte er den Grundstein für die Raumfahrt.

Museen in Peenemünde auf Usedom


Das bekannteste Museum in Peenemünde auf Usedom beschäftigt sich folgerichtig mit der Militär- und Raumfahrtgeschichte. Das Historisch-Technische Museum schafft es, die Vorteile der Forschung und der Entwicklungen auf diesem Gebiet mit dem Elend zu verbinden, das speziell beim Kriegseinsatz über die Menschen gekommen ist. Zudem gab es in der berüchtigten Heeresversuchsanstalt, in der die Raketen und ihre Vorläufer entwickelt und gebaut wurden, fast ausnahmslos Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit schuften mussten.

Das Historisch-Technische Museum in Peenemünde beschäftigt sich nicht nur mit den Vorläufern und den Entwicklungen, die auf Usedom während der Nazizeit stattfanden, sondern auch die Zeit nach 1945 findet umfassende Erwähnung. Auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern erfahren die Besucher alles Wissenswerte rund um Raketen.

An das Historisch-Technische Museum in Peenemünde angeschlossen ist das Kraftwerk der früheren Heeresversuchsanstalt. Die Dimensionen sind beachtlich und vermitteln einen guten Einblick in die technischen Entwicklungen von damals. Nach der Demontage durch die Russen setzte man es wieder instand und gewann bis 1990 Strom und Wärme. Ab 1999 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten, die jetzt den Besuchern zugute kommen.

Auf dem riesigen Freigelände mit immerhin 120.000 Quadratmetern gibt es spannende Exponate zu sehen. So stehen hier beispielsweise ein restauriertes Exemplar der ehemaligen Werksbahn sowie ein Nachbau der legendären A4-Rakete.

Die imposante Denkmallandschaft gehört ebenfalls zum Historisch-Technischen Museum von Peenemünde auf Usedom. Auf einem Terrain von 25 Quadratkilometern erschließt ein 22 Kilometer langer Rundweg dem Besucher Orte von historischer Bedeutung wie etwa die Hauptwache, den Flugplatz, die gewaltige Sauerstofffabrik und die Verladerampe. Zugleich gibt es hier eine kleine Kapelle und einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Zwangsarbeiter.

Das Maritim-Museum in Peenemünde auf Usedom befindet sich im Hafen der kleinen Ortschaft. Besonders beeindruckend ist das U-Boot U 461 der ehemaligen baltischen Rotbannerflotte aus den Jahren 1961 bis 1965. Allein die Ausmaße sind faszinierend: Bei einer Länge von 86 Metern und eine Breite von immerhin zehn Metern lässt sich der beengte Innenraum nur erahnen. Der erschließt sich den Besuchern bei einem Rundgang durch die sehr knapp bemessenen Räumlichkeiten, in denen teilweise noch die Technik im Originalzustand zu sehen ist.

Neben diesem riesigen U-Boot zeigt das Maritim-Museum von Peenemünde noch so spannende Exponate wie Raketensysteme, die im Zweiten Weltkrieg gängig waren, und Informationen zum Untergang der Titanic.

Erlebnisse der ganz besonderen Art erfahren die Besucher des Phänomania in Peenemünde auf Usedom. Das ist ein spannendes Museum zum Anfassen, das nicht nur neugierige Kids begeistert. Das aufregendste Erlebnis ist zweifelsfrei eine Art Astronautentraining, bei dem man – sicher in einem Sitz festgeschnallt – Bewegungen in verschiedene Richtungen erlebt. Auch aus den Bereichen Optik und Elektrizität sowie anderen physikalischen Abteilungen finden sich viele fesselnde Experimente.

Spielereien ganz anderer Art und auch nur zum Ansehen findet man im Spielzeugmuseum in Peenemünde auf Usedom. Aus drei Jahrhunderten haben die Initiatoren Gegenstände zusammengetragen, mit denen sich teilweise der königliche Nachwuchs vergnügt hat, die teilweise aber auch eine wunderbare Dokumentation der DDR-Zeitgeschichte darstellen. So darf etwa das Sandmännchen ebenso wenig fehlen wie Eisenbahn, Autos & Co. Insgesamt lassen über 25.000 Exponate Kinderherzen höher schlagen und bei den Erwachsenen ein wenig Wehmut aufkommen. Selbstverständlich ist auch mit den Weltraumträumen der Bezug zum Standort Peenemünde auf Usedom präsent.

Wer nach all den vielen Besichtigungen müde geworden ist, wird vom Peenemünder Bettenmuseum auf Usedom begeistert sein. Allerdings kommt bei vielen der historischen Exponate kein wirkliches Gefühl des Schlafkomforts auf. Der unbequeme Strohsack etwa lädt nur begrenzt zum Ausruhen ein. Und auch das Bett in der Gefängniszelle ist weniger anheimelnd. Immerhin sehr interessant ist der Unterschied zwischen den Schlafgewohnheiten des Bürgertums und der bäuerlichen Bevölkerung.

Neben den Schlafstätten unterschiedlichster Art zeigt das Bettenmuseum in Peenemünde auf Usedom auch historische Nachtwäsche und anderes Zubehör. Zudem besteht für die Freunde früherer Schlafkultur die Möglichkeit, Sammlerstücke zu erwerben oder zu tauschen. Sogar eine Wiege lässt sich für den Nachwuchs mieten.