Swinemünde (Swinoujscie) auf Usedom

Die etwa 40.000 Einwohner zählende Stadt Swinemünde (Swinoujscie) nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als sie auf 44 Inseln verteilt liegt. Der für Touristen interessanteste befindet sich im polnischen Teil der Insel Usedom. Denn hier hat sich das Kurzentrum mit dem herrlichen Park, mit Sanatorien, Kliniken und Hotels und mit einer Vielzahl an Cafés, Bars und Restaurants angesiedelt.

Das ehemalige Fischerdorf ist bereits seit 1824 beliebtes Ziel vieler Feriengäste und zählt damit zu den ältesten Seebädern auf Usedom. Dies mag auch dadurch begünstigt gewesen sein, dass der preußische Hof ebenfalls häufig dort entspannte – für die vornehme Gesellschaft oder diejenigen, die gerne dazugehören wollten, ein willkommener Anlass, das eigene Image aufzupolieren. Die kaiserliche Jacht Hohenzollern lag ebenfalls lange im Swinemünder Hafen, der übrigens einst von den Preußen angelegt worden ist.

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert entdeckte man in Swinemünde Solevorkommen, die eine effiziente Linderung besonders bei unterschiedlichen Hautproblemen versprachen. Daraufhin öffneten viele Kliniken und Sanatorien ihre Pforten, selbstverständlich auch nur für die feinen Leute.

In dieser Zeit sind viele Privatvillen entstanden – alle im Stil der Bäderarchitektur, die ebenfalls in anderen Orten auf Usedom zu sehen ist. Sie verleiht dem Städtchen das mondäne Flair, in dem sich heute Touristen aller Gesellschaftsschichten wohlfühlen.

Im Kurviertel von Swinemünde (Swinoujscie) auf Usedom fällt insbesondere der herrliche Park auf. Er entstand nach Plänen des Gartenbauers Peter Joseph Lenné, der im 19. Jahrhundert für die preußische Regierung tätig war. Vermutlich der vornehmen Gesellschaft zuliebe brachte er viele Gewächse vom Mittelmeer in das gelungene Ganze ein und verlieh dem Kurpark damit das gewisse Extra des Exotisch-Mondänen. Heute fasziniert insgesamt der alte Baumbestand.

Der bis zu 150 Meter breite Strand mit feinem Sand ist mit einer Dünenkette von der Stadt Swinemünde (Swinoujscie) abgetrennt. Speziell entlang der Strandpromenade stehen viele der prächtig verzierten Villen. Die Promenade war und ist zu allen Zeiten ein beliebter Ort zum Spazieren. Die von Swinemünde (Swinoujscie) geht inzwischen nahtlos in das von Bansin über nach Ahlbeck verlaufende Stück über – die Usedomer haben damit einen gelungenen Beitrag zur deutsch-polnischen Zusammenarbeit vollbracht. Wegen ihrer Länge von stolzen zwölf Kilometern bezeichnen die Anwohner ihre Strandpromenade die längste Flaniermeile Europas.

Dem Hafen von Swinemünde (Swinoujscie) liegt ein Gedanke des Alten Fritz zugrunde. Er wollte sich unabhängig von den Schweden machen und von Usedom aus einen eigenen Zugang zur Ostsee haben. Daher ließ er 1720 eine Pfahlanlage errichten, die nach wie vor existiert, wenn auch nach etlichen Sanierungen und Modernisierungen.

Diesem Usedomer Hafen kommt inzwischen nicht mehr die ganz große Bedeutung von früher zu. Zumindest ist der strategische Aspekt entfallen. Aber von hier aus stechen die Ausflugsschiffe in See, und auch als Fährhafen ist er wichtig. Und er ist beliebter Ausrichtungsort der alljährlichen Hafentage im Juni, bei denen es zahllose Attraktionen gibt, und die mit einer spannenden Regatta enden.

In der Nähe des Hafens liegen die riesigen Fortanlagen, die als Schutz von möglichen Angreifern angelegt wurden. Einige Bereiche sind auch von innen der Öffentlichkeit zugänglich – dort befinden sich alte Waffen und historische Dokumente. Teilweise ist die Befestigungsanlage im Stil römischer Kastelle errichtet. – Vor den Gefahren des Meeres schützen riesige Wellenbrecher draußen auf der Ostsee.

Das einzige öffentliche Gebäude, das im Usedomer Teil von Swinemünde (Swinoujscie) von früher erhalten ist, diente bei seiner Erbauung als Rathaus. Es entstand in den Jahren 1805 bis 1806. An dem sonst schlichten, frei stehenden Bau beeindruckt das verspielt wirkende Türmchen mit der schönen Uhr. Im Inneren befindet sich heute das Museum für Hochseefischerei mit interessanten Exponaten, die das harte Dasein der Menschen in diesem Beruf beleuchten.

Besonders ein sakrales Bauwerk fällt in Swinemünde (Swinoujscie) auf Usedom auf: die Christuskirche. Sie entstand im späten 18. Jahrhundert, wurde aber 1881 grundlegend renoviert und erweitert, was ihr letztlich das neugotische Aussehen verlieh. Beeindruckend ist in erster Linie das zwei Meter lange Votivschiff an der Decke über dem Mittelgang, mit dem die Bauherren die Verbindung zum Meer eindrucksvoll zum Ausdruck brachten.